Singtag mit Rotary und Trachtlern
am Donnerstag, 1. Dezember erklingen alpenländische Weihnachtslieder im Kaffeegarten

Wärmende Feuer knistern in eisernen Schalen. Kinder schwenken kleine Laternen. Erwachsene haben alte Stalllichter dabei, und die Abordnung aus der Fischerei kommt mit einer leuchtenden Fisch-Laterne, die einst Fischermeister Simon Rauch für seinen Enkel geschnitzt hat. Rund um den Garten des Café Vogel in Diessen strahlen Lichter und ganz vorne am Eingang begrüßt eine mit Tannenzweigen geschmückte Tafel mit einer riesigen leuchtenden 1 die Gäste. Zum 1. Dezember haben sich der Rotary Club Ammersee sowie der Heimat- und Trachtenverein d' Ammertaler Diessen-St. Georgen zusammengetan: Die einen starteten ihren lebendigen Adventskalender und die anderen fanden sich zum öffentlichen Weihnachtsliedersingen zusammen – so wie es seit Jahren der Brauch ist.

"So voll war unser Kaffeegarten noch nie", lacht Nadja Golder, Jugendleiterin des Diessener Trachtenvereins, die nach der adventlichen Stunde Glühwein ausschenkt und hausgemachte Lebkuchen der Diessener Kaffeehaus-Institution verteilt. Gut 150 Kinder und Erwachsene tummelten sich zwischen den Feuerkörben und Fackeln und standen Schlange, als es nach dem gemeinsamen Singen zum Glühweintopf ging in der klaren Winternacht – allerdings noch ohne Schnee.

Das kümmerte aber wenig, So konnte die von Sepp Kaindl gestaltete "Singstund'" auch ganz schön lang dauern, ohne dass man gleich kalte Füße bekam. Kaindl wagte heuer einen Versuch, den er mit viel liebevoll zusammengestellter Information verband. Er forderte die Sängerinnen und Sänger kräftig heraus mit seltenen alpenländischen Weihnachtsliedern, die er auf der Ziach begleitete und vorsang, übrigens kräftig unterstützt Friederike Haufe aus Hamburg, der Intendantin des Klavierfests Diessen.

Gängige Weihnachtslieder, sagte Kaindl, könne man überall singen. Weil sich der Trachtenverein aber auch der überlieferten Weisen und der Brauchtumspflege widme, "damit wir unsere kulturellen Wurzeln nicht verlieren", hatte er bairische Lieder zusammengestellt, die der legendäre Kiem Pauli bei einem Singtag im Dezember 1951 in Rosenheim zum Besten gab. Zwischen einem "Ansingelied für die Weihnachtszeit" über "Aus einer schönen Rose" bis zu einem "Klöpfellied" aus dem Chiemgau erzählte der Kaindl Sepp Wissenswertes von den alten Bräuch' in der Adventszeit. Zum Schluss noch mal ein tiefes Durchatmen, denn beim "Christkind-Wiegenlied" (Es wird scho glei dumpa), da konnte man die Liederbücher auf die Seite legen und kraftvoll mitsingen.

Diessens Trachtenchef Andreas Huber freute sich über den großen Zuspruch und dankte dem Rotary Club Ammersee für das schöne Miteinander. Mit herzlichen Worten richtete sich Stefan Forstner an den Trachtenverein, "wir freuen uns sehr, dass sie so spontan auf ihre Einnahmen vom Weihnachtslieder singen verzichtet haben und es dem rotarischen Adventskalender stiften."

Der lebendige Adventskalender findet heuer erstmals rund um den Ammersee statt. Jeden Abend wird an einem anderen Ort ein symbolisches Fensterchen geöffnet mit adventlicher Begegnung, Gesang, Musik. Dabei ist auch immer ein stattlicher dventskranz mit dicken, roten Kerzen, den die Familie Michael aus Utting als Symbol für den lebendigen Adventskalender hergestellt hat.

Wer sich für die Liederbücher interessiert, aus denen gesungen wurde, kann sie auch über den Diessener Trachtenverein erwerben. Das grüne mit dem Titel "Alle Jahre wieder" beinhaltet bekannte und gern gesungene Klassiker. Das gelbe heißt "Alpenländische Weihnachtslieder". Dies ist eine Sammlung, die der Kiem Pauli 1951 veröffentlichte und die in den Folgejahren immer wieder neu aufgelegt wurde und unter Sängerinnen und Sängern oberbayerischer Volkslieder bald sehr weit verbreitet war. Die Lieder sind zum Teil noch heute gebräuchlich, zum Teil kaum mehr bekannt. (Beide Singhefte je drei Euro bei Sepp Kaindl in Diessen, 08807.5499). [mehr] Text/Fotos: Beate Bentele

Auf Bild Nummer11 ist Friederike Haufe, Intendantin des Klavierfests Diessen, zu sehen, und auf Bild Nummer 18 freuen sich Sepp Kaindl vom Trachtenverein und Stefan Forstner vom Rotary Club über den gemeinsamen Erfolg.
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