Heimat für den Bücherschrank
am Dienstag, 22. November 2011: Bayerischer Trachtenverband stellt Standardwerk übers Gewand vor

„Es ist wirklich nichts Alltägliches, dass der Bayerische Trachtenverband im Presseclub München ein Buch vorstellt“, schmunzelt Max Bertl, seit September Landesvorsitzender im Bayerischen Trachtenverband und Nachfolger von Otto Dufter. Zusammen mit Dr. Gabriele Weishäupl, Fremdenverkehrsdirektorin der Landeshauptstadt, hob er ein stattliches Buch aus der Taufe: „Trachtenlandschaft Bayern“ dokumentiert nach fünfjähriger Vorbereitungs- und Produktionszeit die Gewänder in Bayern, wie sie Trachtlerinnen und Trachtler heute tragen. Das „Stück Heimat für den Bücherschrank“ ist 320 Seiten stark, ein Bildwerk mit begleitenden Texten, das einer Reise durchs Bayernland gleicht und die Vielfalt der Gewänder in den sieben Regierungsbezirken vorstellt.

„Dass die Mitglieder der königlichen oder in Österreich der kaiserlichen Familie begannen, Volkstrachten anzulegen, hat auch dazu beigetragen, die Kleidung der alpenländischen Bevölkerung zu einem Symbol der Heimatverbundenheit zu machen. Zugleich war man im Bayern des 19. Jahrhundert bestrebt, gesamtbayerisches Nationalgefühl in der Bevölkerung der seit 1806 zusammengefügten Landsteile zu verankern … mit den Nationaltrachten. “ Im Vorwort zum Buch beschreibt Herzog Franz von Bayern, der Chef des Hauses Wittelsbach, „wie spannend und lebendig die Tracht immer war und bleiben wird.“ Auch Ministerpräsident Horst Seehofer spricht in seinem Vorwort von einem guten Zeichen, „dass Tradition nicht im Freilichtmuseum inszeniert wird, sondern im wirklichen Leben ihren Platz findet. Er dankt den Trachtlern für ihr Engagement, „dass Bayern bairisch bleibt“ und trotz zunehmender Globalisierung das fein gesponnene Netz der Heimat immer mehr Wertschätzung erfahre.

Die Lebendigkeit und Tragbarkeit der Tracht heute, alles was 165.000 Trachtlerinnen und Trachtler und 100.000 Jugendliche in den 22 Gauverbänden des Bayerischen Trachtenverbandes mit seinen 823 Heimat- und Trachtenvereinen derzeit gut kleidet, stellt die neue Publikation vor. „Kleider machen Leute“, ist Max Bertl sicher. Die Kleidung der Vereinsmitglieder sage viel aus über die Menschen, ihre Dörfer und Städte und über die Gegend aus der sie kommen. Die Tracht mache den Träger festlich und stelle die Kultur unseres Landes dar. Bertl: „Die Trachtler geben Bayern ein Gesicht und dieses Gesicht liegt jetzt in gedruckter Form vor.“

Das „gedruckte Gesicht“ erläuterte Walter Weinzierl vom bayerischen Trachtenverband mit einem bildgestützten Vortrag. Er zeigte eine knallrote „hot pants“ aus den 1970-er Jahren mit Attributen einer Lederhose und sagte, Volksschullehrer Josef Vogl habe 1883, als er den ersten Trachtenverein in Bayrischzell gründete, eine ganz andere Lederhose gemeint. Die Minidirndl der 1980-er Jahre stellte er ebenfalls als modischen Ausrutscher vor und hielt fest, wie Modemacher immer wieder Zitate des alpenländischen Gewands „zweckentfremden“ und in Zeitgeist-Design integrieren. Im Gegensatz dazu betonte die starke Hinwendung, vor allem auch bei der Jugend, authentisches Gewand nicht nur im Verein, sondern auch bei Anlässen oder im Alltag zu tragen. „Trachtenlandschaft Bayern“ zeige, dass die Entwicklung der Trachten und des Gewandes nie einen Stillstand erfahren habe, „sondern dass die Tracht lebt.“ Das verdeutlichten auch die Trachtenpaare aus Schwaben, Unter- und Mittelfranken, aus Oberfranken und der Oberpfalz, aus Nieder- und Oberbayern, die den Journalisten ihre typischen Bekleidungen vorstellten und im Detail erklärten.

Für Gabriele Weishäupl ist das neue Buch eine wertvolle Präsentation „unserer Kultur und unseres Brauchtums.“ Deshalb sei der Presseclub München auch der richtige Ort „im Herzen Bayerns“ die Gewandvielfalt aller Regierungsbezirke vorzustellen. Als Tourismuschefin betonte sie, wie sehr man sich mit tiefem Respekt vor dem Wirken der Trachtenvereine verbeuge.

„Trachtenlandschaft Bayern“ ist erhältlich bei den örtlichen Trachtenvereinen. In Diessen bei Sepp Kaindl aber auch beim Ammersee Kurier. Fotos: Beate Bentele

Unsere Bilder zeigen, wie es war bei der Pressekonferenz:
Im Presseclub München stellte Max Bertl (links), der neue Landesversitzende des Bayerischen Trachtenverbandes, „Trachtenlandschaft Bayern“ vor, zusammen mit Dr. Gabriele Weishäupl (Fremdenverkehrsdirektorin der Stadt München) und Walter Weinzierl (Kassier im Bayerischen Trachtenverband)

Auftritt im Presseclub und Fototermin im Münchner Rathaus: Trachtler aus den sieben Regierungsbezirken Schwaben, Unterfranken, Mittelfranken, Oberfranken, der Oberpfalz aus Nieder- und aus Oberbayern präsentierten vor den Presse ihr Gewand. Oberbayern hat Hildegard Hoffmann, die Schriftführerin im Bayerischen Trachtenverband mit ihrem Mann Christian (vorne in der Mitte) vertreten.
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