Hinten chinesische Mauer - vorne Land des Lächelns
am Faschingsdienstag, 21. Februar 2012

Auf dem Weg nach Chinatown trommeln sie in St. Schorschi rauf und runter: Die Spielleute vom Diessener Trachtenverein geben auch heuer wieder das Marschtempo vor beim närrischen Narrenzug der Diessener Vereine. Hinten chinesische Mauer und vorne Land des Lächelns, denkt sich manch einer, der zwischen der hohen Kirchhofmauer von St. Georgen und den vielen gelben Jacken mit chinesischen Glückssymbolen, Reisstrohhüten, Reisschnaps und asiatischem Getrippel nicht  mehr so richtig weiß, wo er sich gerade befindet – schließlich kommt die Narrenversammlung direkt aus „(N)irgendwo in Afrika“.

Afrika ist inzwischen Vergangenheit – jetzt ist Gaudiwurm in St. Schorschi angesagt und die Beerdigung von Prinz Karneval rückt immer näher. Vorher wird noch ganz schön Gaudi gemacht mit der Clown-Truppe aus Neu-Diessen. Und es wird gejubelt, weil der Katholische Frauenbund eine Fuhre Mist auf dem „Festwagen“ durchs Dorf karrt. Darüber weht der Fischermartl-Banner und verkündet, dass es im Rathaus oft zum Himmel stinkt. Auch die Burschenschaft von Wengen schickt dicke Rauchwolken gen Himmel. Die kommen aus dem Riesenjoint, den man nicht herumreichen kann, sondern auf dem man rücklings hockt und reihum drauf hofft, das „über alles erst mal Gras wächst“. Ansonsten kommt alt-68-er Wehmut auf, wenn die Jugend wissen möchte „Warum darf man Tiere töten und essen, aber nicht Gras pflücken und rauchen.“ Darüber denkt man auf dem nächsten Wagen nicht nach, bei der „after africa party“ geht’s wild ab und schwarze Babies waren auch schon dabei.

Die Vereine nehmen das örtliche Leben auf die Schippe - a bissla, aber net wirklich. Es scheint allen ganz gut zu gehen, bei den vielen Würschtl und Guadln, die von den Wagen auf die Zuschauer regnen. Die sind wieder reichlich hinauf geströmt nach St. Schorschi und würden auch gern bleiben – aber das große Zelt gibt es nicht mehr. Dafür ist zur großen Freude aller Einheimischen der Hinterstrasser nach einem Vierteljahrhundert wieder mal auf. Aber reinkommen ist ein echter Kraftakt mit Ausdauer. Wer’s schafft, erlebt einen coolen Faschingsausklang. Text/Fotos: Beate Bentele
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