„Jetzt kauf’ ich mir aber richtige Haferlschuh’“
Schuhplatteln für Vater und Sohn vom 24. Februar bis 31. März 2012

Lustig geht’s zu, hoch her und ganz schön wuid. „Als nächstes kaufe ich mir eine richtige Lederhose, damit das Schenkelklatschen weniger schmerzt. Und echte Plattlerschuhe, nein so richtige Haferlschuhe, die brauche ich dann auch. Ja und dann lerne ich Jodeln.“ „Bevor d’ jodelst, lernst erst amoi richtig boarisch“, kontert Magnus Kaindl  - und weiter geht’s … oans, zwoa, oans zwoa drei, vier, fünf, sechs, sieben. 20 Mannsbilder zählen laut mit und schlagen dann im Wechsel auf ihre Schenkel. Wir sind mitten drin im Schuhplattlerkurs, den die Diessener Trachtler ganz neu im Programm haben.
Der Erfolg ist überwältigend, weil die starken Burschn auch ihre Kinder mitgebracht haben. Trotz aller Anstrengung, die das Platteln rein körperlich verursacht, und denen man nur durch ständiges üben und trainieren begegnen kann, sind alle bei der Stange geblieben. Sechs Abende lang – und ihre Hausaufgaben haben sie auch gemacht. Magnus Kaindl gab seinen Schülern schon immer ganz nett was auf, vom Kreuzschlag bis zum Sprünge üben.

Das Ergebnis ist großartig, „unsere Erwartungen sind übererfüllt“, lacht ein junger Bursch aus der Wilhelm-Familie im Uttinger Ortsteil Holzhausen. Neischmeck’n hättns wollen, sagen die acht Uttinger, die als Gruppe angekommen sind, „statt dessen haben wir richtig viel gelernt. Den Haushamer kriegen wir schon gut hin.“ Martin Frankenberger schwärmt von der Professionalität der Diessener Trachtler und Uli Bleicher hofft, „das wir eines Tages auch so guat wer’n.“ Das einzige, was den Uttinger Buam fehlt, san die Dirndl, „die ma beim Deandldrahn einfanga muass.“

Auch das wird sich eines Tages ergeben, denn eines haben die angehenden Schuhplattler mitgenommen, gleich ob sie aus Landsberg, Weilheim oder noch weiter aus dem Süden an den Vogelherd nach Diessen gekommen sind: „Wir wollen weitermachen. Platteln is halt so vui schee.“

Der Meinung waren auch die vielen Journalisten der Heimatzeitungen sowie die Kollegen vom Bayerischen Rundfunk und vom Bayerischen Fernsehen, die mit Freude und hoch motiviert berichtet haben. Ein Vergelt’s Gott dafür vom Diessener Trachtenverein – ihr habt der zeitgemäßen Brauchtumspflege ganz schön auf die Sprünge geholfen mit euren wunderbaren Kreuzschlägen!

Schauen wir noch geschwind rein in Franz Hegenbarths Buch „Auf geht’s“, das sich mit Schuhplatteln beschäftigt. Hier ist zusammen gefasst, dass die Grundfiguren, Stampfer, Sprünge und Schlaggruppen das „Material“ sind aus dem sich die männliche Aktivität in einem Schuhplattler-Tanz, dem eigentlichen Platteln, zusammensetzt. Stampfer, Sprünge und Schlaggruppen reihen sich aneinander. Die Schlaggruppen wechseln in ihrem inneren Aufbau. Dreier-, Fünfer- und Sechserschläge folgen einander. Sprünge, Stampfer und Kreuzschläge werden dazwischen geschoben. Mancher Tanz ist symmetrisch aufgebaut, er kann sich aber auch völlig unmethodisch entwickeln und ebenso enden. Es gab Hunderte von Tanzvarianten, schätzungsweise hundert verschiedene werden heute noch praktiziert.Text: Beate Bentele/Fotos: Anja Bach, Schondorf
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