Erstes Schatzberg-Jodeln
Freitag, 5. September und Samstag, 6. September 2014 – Archaische Klangwelten rund ums Trachtenheim

DIESSEN – „Jodeln ist wie das Freilegen einer tiefen Schicht von Heimat und Kraft.“ – „Jodeln ist auch die schönste Art, sich anzuschreien.“ Alle reden gerade übers Jodeln – aber die wenigsten können es wirklich. Das wird sich in ändern, zumindest in Diessen. Nachdem Magnus und Beate beim -Üben in den Südtiroler Bergen waren, haben sie beschlossen, ihre Lehrerin Heidi Clementi auch nach Diessen einzuladen.

Anfang September war es soweit: Die zwei Kurse waren über Nacht ausgebucht - aber die meisten kamen mit gemischten Gefühlen auf die Wiese am Vogelherd: 90 Prozent Jodel-Anfänger, "die eigentlich nur mal wissen wollten, wie es geht." Gegangen sind sie aber alle mit dem Jodel-Virus, angesteckt von dem "Bazillus", der sich gerade in den Alpenländern verbreitet. "Jodeln erlebt eine Renaissance, wird quasi entstaubt", sagt auch Heidi in ihrem Südtiroler-Wiener-Sprachklang. Die Südtirolerin lebt in Wien (lehrte dort an der Universität, bevor sie auf die Straße ging, um mit den Menschen zu singen). Jetzt hat sie erstmals den Ammersee erlebt – und sie wird wieder kommen.

Jodeln, wie es Heidi Clementi vermittelt, hat nichts mit dem Musikantenstadl-Jodeln zu tun, wo man Lieder mit Jodlern oder Juchezern verbindet. Jodeln, sagt sie, macht man miteinander, gegeneinander, durcheinander … typisch beim Jodeln ist der rasche Wechsel von der Bruststimme in die Kopfstimme und gejodelt werden keine Texte, sondern Kraftsilben.

Was dann alle verblüffte: Nach Freiübungen barfuß auf der taufeuchten Wiese, dem ungehemmten Ausstoßen von archaischen Lauten und Urschreien ähnlichen Klanggebilden, ging's sofort richtig zur Sache. Bereits nach einer halben Stunde Unterricht jodelten die Anfänger den Admonter Jodler dreistimmig. Erfolgserlebnis hoch drei. Am Abend wollte man nicht aufhören und nicht auseinandergehen, das Versprechen, es muss weitergehen, ist den zwei Organisatoren abgenommen worden. Magnus hat daraufhin sogleich eine Rundmail eingerichtet, wo wir regelmäßig Jodel-Nachrichten unter d' Leut bringen. Denn Jodeln macht Freud', nicht nur während des Staubsaugens, sondern auch dann, wenn es andere hören. Und zugehört haben viele: Während unserer Jodeltage sind immer wieder Passanten am Vogelherd stehengeblieben und haben gelauscht - und neuerdings hört man immer öfter in Diessen ein fröhliches Ho – hu – li – jo, ho – dla rei – du – li – ja. Text/Fotos: Beate Bentele

Für alle, die das Jodelprogramm vom Ersten Schatzberg-Jodeln in Diessen üben oder sich hineinhören wollen , hier ist der Link zu den Klangwelten von und mit Heidi Clementi: www.heidiclementi.at/jodlerei-ammersee.8053.html
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