Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehen …
Samstag, 28. September Saitenschinder Hoagartn im Diessener Unterbräu

DIESSEN | "Hoe-u hoe-u, rititijo …" der Echo-Jodler schallt durchs Unterbräu in Diessen, grad so als hätten 100 Gäste das berühmte Jodler-Diplom in der Tasche. Weit gefehlt. Vielmehr ist es Magnus Kaindl, Chef der Saitenschinder vom Diessener Trachtenverein gelungen, den Besuchern beim alljährlichen Herbst-Hoagart binnen weniger Minuten den Jodler-Klassiker im Kanon singen zu lassen. "Es war einer unserer schönsten Hoagartn bisher", freut sich der Organisator, "weil die Musikanten so vielseitig waren und das Publikum begeistert mitgegangen ist."

Was eingangs manchen gestört haben mag, hat sich als Gaudiquelle entpuppt: "Wenn’s eng wird im Unterbräu-Saal kommt Stimmung auf", sind Besucher und Musikanten einig. "Und wenn’s kuschelig ist im Saal, und wenn ma eng beianand hockt, dann wird dr Hoagartn bsonders schee." Auch die Peitinger Sänger, die zum ersten Mal in Diessen mitgesungen haben, sind begeistert, „weil die Musikanten vom Diessener Trachtenverein über den Tellerrand rausschauen und neue Elemente ins traditionelle Hoagartn-Geschehen einbringen.“

Und das dürfte mit ein Grund sein, "dass es von Jahr zu Jahr immer schöner wird", fasst Markus Kaindl zusammen. Auf der einen Seite waren die traditionellen Weisen der Peitinger, die im Männer-Quartett mit Zitherbegleitung alpenländische Klangwelten ins Unterbräu gebracht haben, auf der anderen Seite das Duo Knöpf & Soatn aus München. Bereits im vergangenen Jahr sorgten Herta (Gitarre) und Horst (Steirische Harmonika) für jede Menge Applaus und Juchzer mit ihren Couplets und Moritaten, unter anderem „Beim Hrdlichka ist Hausmusik“ oder die Parodie auf Franz Schuberts wohl bekanntestes Kunstlied "Die Forelle", die bei Knöpf & Soatn gegen Leberkäs mit Senf anschwimmt.

Ganz neu aufgestellt ist Quietschfidel mit der Gummiente. Die Danzlmusik aus dem Raum Raisting hat inzwischen schon die zweite Generation dabei mit dem 12-jährigen Wendelin am Akkordeon und dem neun-jährigen Luzian am Klavier. Sie spannten einen breiten Bogen: "Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehen" war der Publikumshit, keiner blieb ruhig sitzen und alle sangen kraftvoll mit. Dass sie eine Danzlmusik sind, wurde natürlich bei den Boarischen und Zwiefachen deutlich. Und die Gastgeber selber? Sie zeigten mit neuen Arrangements, wie einschmeichelnd und verführerisch, wie kraftvoll und zugleich poetisch Volksklänge klingen können, unter anderem zu hören die Harfenegger Polka und der D-Dur-Marsch. Text/Fotos: Beate Bentele
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