Cool in Lambert's Nachtlokal – Romantisch auf der Alpe
Samstag, 23. September 2017: Bunter Mix bezaubert Publikum beim Saitenschinder-Hoagartn im Unterbräu

Diessen – Der Saitenschinder-Hoagart, jedes Jahr im September, ist längst zur Marke geworden. Jede Veranstaltung ausverkauft, Applaus, Zugaben und jede Menge Musik, die man nicht überall hört. Heuer erstmals dabei die drei von ScheinEilig, die sich frech hinwegsetzen über Konventionen in der Volksmusik, womit sie sich auch durch das X im Internetportal VolXmusik outen. Für alpenländischen Traditionsgesang und Jodler waren dieses Mal die Raistinger Sänger eingeladen, d' Saitenschinder verwöhnen mit ihrem feinen Stil, der sich von den internationalen Klangwelten hinein bewegt in klassische Avantgarde. Sie gefallen mit frechen Arrangements, wie einer Zigeunerpolka und einem Galopp, mehrstimmig komponierte Fundstücke aus Böhmen.

Ländliche Tanzmusik aus 1784
Magnus Kaindl (Hackbrett) im Duo mit Johannes Sift (Steirische Harmonika, Geige) betören mit historischen Handschriften aus Volksmusikarchiven zwischen Oberbayern, Schwaben und Franken. "Wir machen was draus", schmunzelt Johannes und schon geht's flott los mit Archivfunden. Zum Beispiel dem Ländler Nummer vier, aufgeschrieben um 1820, oder mit einem Stück, das Heinrich Nicol Philipp 1784 festgehalten hat. Diese Notenhandschrift des Heinrich Nicol Philipp gilt als eines der ältesten Zeugnisse ländlicher Tanzmusik in Bayern. Ein Stück, das dem Publikum gefällt und sie fordern immer mehr, "weil es so modern rüberkommt!"

Echt Modernes, Zeitgemäßes kam dann geballt von ScheinEilig. Einer Drei-Mann-Combo aus dem schwäbischen Violau. Die beiden jungen Musikanten und ihr nicht mehr ganz so junger Bassist – Martin (Akkordeon), Johannes (Trompete) und Stefan Hegele, Vater der zwei jungen Wilden (Helikon) mischen traditionell schwäbische VolXmusik mit Kultsongs aus den vergangen Jahrzehnten. Ihren Mix mixen sie mit Tanzliedern der 1920-er und 1930-er Jahre und verpassen ihrem Gebräu noch eine Prise Filmmusik. All das wird stromlos und ohne Noten, aber mit viel Witz und Charme serviert, grad so als wäre das begeisterte Diessener Publikum in Lamberts Nachtlokal … "Dort tanzen die Matrosen in ihren blauen Hosen, was sie da alles machen, das sind Sachen." (Ein Kultsong, den Hans Rehmstedt mit seinem Orchester bevorzugt spielte, Sänger war oft Rudi Dreyer, aufgenommen auf Schellack 1938). Text | Fotos: Beate Bentele
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