Geopark-Tour rund um den Ries-Rand
Sonntag, 31. Oktober 2011 – Vereinsausflug ins Nördlinger Ries – Zweiter Teil

Nach einer lustigen, durchtanzten und durchkegelten Nacht mit den Trachtlern vom Trachtenverein Wemding und ihrem Vorsitzenden Klaus Huber (www.trachtenverein-wemding.com), machte sich die Reisegruppe auf, den Rieskessel zu erkunden. Der Weg führte durchs Südries, vorbei an Christgarten, einem ehemaligen Kloster der Kartäuser. Das dem heiligen Peter geweihte Kloster gründeten die Grafen Ludwig und Friedrich von Oettingen im Jahr 1383. Nachdem die Oettinger Grafen ab 1525 die Reformation unterstützten, wurden ab 1558 Kartäusermönche aus Christgarten zu evangelischen Pfarrern berufen. Das kleine Kloster wurde Mitte des 17. Jahrhunderts aufgelöst und später bis auf den Chor der Kirche und Reste der Konventsgebäude abgebrochen. Der erhaltene Chor der Klosterkirche ist heute evangelische Pfarrkirche. Von Christgarten aus führte der Weg vorbei an der Burgruine Hochhaus zur Burg Niederhaus. Die malerisch gelegene, pittoreske Ruine einer stauferzeitlichen Höhenburg bei Hürnheim verlockte zum Klettern und Kraxeln.

Weiter ging es über die typischen Süd-Ries-Dörfer Hürnheim und Ederheim in Richtung "Himmelreich". Am Fuße des Riegelbergs, der zur Ortschaft Holheim gehört, ziehen die Grundmauern eines freigelegten römischen Gutshofs (400 v. Chr.) die Blicke an. Die stattliche Anlage erklärten Keltenforscher Magnus Kaindl und Römerforscherin Dr. Monika Böck. Sie erläuterten die Funktion des römischen Bades sowie die Lebensgewohnheiten der Römer. Das Ries galt in der Antike als Kornkammer der römischen Provinz Raetia (woher der Name Ries herrührt) was über 70 bezeugte Villae Rusticae in dieser Region belegen.

Beim römischen Gutshof beginnt auch der Aufstieg zu den Ofnethöhlen. Die Ofnethöhlen sind die Reste eines unterirdischen Karstsystems am Kraterrand des Nördlinger Rieses. Sie befinden sich am südwestlichen Teil des fast zwei Kilometer langen Riegelberges – eines Höhenrückens aus Kalkstein, der auch "Himmelreich" genannt wird. Archäologische Funde weisen darauf hin, dass die Höhlen vom Mittelpaläolithikum bis in die Mittelsteinzeit bewohnt waren. Überregionale Bedeutung erlangten die Ofnethöhlen vor allem durch spektakuläre Schädelfunde im Jahr 1908. Jüngste Forschungen ergaben, dass die 33 Schädel aus der Mittelsteinzeit um 7.700 v. Chr. stammen.

Über die Riesdörfer entlang der Baden-Württembergischen Grenze führte Sonja Fall nach Wallerstein und auf den berühmten Wallersteiner Felsen, der noch einen abschließenden Blick auf den gesamten Riesrand erlaubte. Letzte Destination war Oettingen, die kleine romantische Residenzstadt im Ries, wo nach Ortsbesichtigung und Besuch des Apfelmarktes der Steinherr-Bus abfahrtsbereit wartete und zufriedene Diessener an den Ammersee zurückbrachte.

Ein herzliches Dankeschön an unsere Geopark- und Stadtführerin Sonja Fall, die uns mit ihrem enormen Wissen und mit großer Heimatliebe durch das Ries begleitete und die Wahrnehmung schärfte für viele Extras am Wegesrand.

Sepp Kaindl bedankte sich für eine erlebnisreiche Zeit und sagte, was viele dachten: "Der Vereinsausflug ins Rias war für mich ganz was bsonders, weil ma so vui über a Stückerl Bayernland und sei Gschicht erfahrn hat. Zudem hat ma nette Leit troffn und a guate Zeit miteinander verbracht." Fotos: Beate Bentele, Magnus Kaindl, Text: Beate Bentele
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