"Lang lebe unser Patenbund"
Huosigau beim Patenbitten in Schongau – Lechgauverband sagt Ja – Großer Festabend mit "schweren Prüfungen" am Freitag, 18. Januar 2013

SCHONGAU | Diessen – Die Heimat- und Trachtenvereinigung Huosigau hat sich  den Lechgauverband als Pate für die neue Huosigau-Standarte gewünscht. Wie es der Brauch ist, machten sich die Huosigau-Vorsitzenden auf den Weg zum Patenbitten, gewappnet und ganz gut vorbereitet für eine Reihe von Hürden, die bei dem seltenen Anlass in aller Regel zu nehmen sind. Im Schongauer Trachtenheim „Helgoland“ trafen die Gau-Abordnungen aufeinander und feierten miteinander ein großes Fest der Freundschaft – nachdem Lechgauvorsitzender Franz Xaver Multerer betonte, es sei eine Ehre, die Patenschaft zu übernehmen, „weil sie die Verbundenheit der Gaue vertieft.“ Die Standarte wird zurzeit bei der Fahnenstickerei Eibl in Olching hergestellt. Die Weihe findet anlässlich des Diessener Seefests am Wochenende 27. und 28. Juli 2013 statt. Beim Zwei-Tages-Fest am Seeufer wird unter anderem wird auch das Jugendprojekt „JuHeee – Jugend und Heimat im Huosigau“ aus der Taufe gehoben.

Der Brauch des Patenbittens ist immer mit Überraschungen verbunden. „Wir wissen nicht, was auf uns zukommt“, sagt Huosigau-Vorsitzender Sepp Kaindl auf dem Weg nach Schongau und hofft, dass die Prüfungen nicht zu streng ausfallen. Dennoch blickt er mit gerunzelter Stirn auf die groben Holzscheite vor der Bühne im Trachtenheim „Helgoland“, das mitten im Wald hoch über Schongau und den Lechauen liegt. Das stattliche Gebäude stammt aus den 1950-er Jahren, erzählen die Lechgauler, aber kein Mensch wisse, warum die Flur „Helgoland“ heißt. 

Rege Geschäftigkeit im Trachtenheim. Auf der Bühne nimmt die Lechgau-Kapelle Platz, die der Blasmusikbeauftragte des Lechgaus, Thomas Eiler aus Rottenbuch leitet. Unter der Trophäengalerie mit Hirsch- und Rehgeweihen richtet sich die Würmseer Tanzlmusi mit dem Volksmusikwart des Huosigau, Roland Kopf ein. Zum Ensemble gehören auch die Fischerbuam aus Starnberg. Der Huosigau-Ehrenvorstand Lorenz Häring aus Weilheim sitzt unter den Gästen, wie auch Ehrenmitglied Rosemarie Sollinger und die Schirmherrin der Standartenweihe, Landtagsabgeordnete Renate Dodell aus Weilheim. Mit dabei der Landsberger Josef Fiederer, der als Brauchtumswart vom Lechgau als Gstanzlsänger auftritt.

Die Spannung steigt nach dem musikalischen Einzug der Huosigau-Verantwortlichen, die sich vor der Bühne aufstellen – und ein Aufatmen beim ersten Vorsitzenden Sepp Kaindl, seiner Vertreterin Uschi Sieber aus Gröbenzell und Gaukassier Wolfgang Kurz aus Geltendorf: Sie sind ums legendäre und unbequeme Holzscheitl-Knien rumgekommen. „Als junger Gauvorsitzender traue ich es mir nicht, einen lang gedienten Vorsitzenden, wie den Kaindl Sepp, vor mir niederknien zu lassen“, lacht Franz Multerer. Dafür lässt er sie aber „ganz schön tanzen“. Die Huosigau-Abordnung muss singen, tanzen, platteln. Die Vorsitzenden werden auch noch  ausgefragt über den Nachbargau – und begeistern mit ihrem Wissen, dass der Sitz des Lechgauverbands in Hohenpeißenberg ist, dass 19 Trachtenvereine mit 3.400 Mitgliedern aus den Landkreisen Weilheim-Schongau, Landsberg, Kaufbeuren, aus dem Ostallgäu und aus Neu-Ulm dazugehören.

Die Prüfungen sind gut ausgefallen und der Multerer Franz reicht dem Kaindl Sepp die Hand. Jubelt Uschi Sieber: „A Musi, a Schnapsl, a Bier, des war doch a guats Entscheidungselexier.“ Für Sepp Kaindl a groaße Freid’; „Nach 100 Jahren Huosigau war’s endlich an der Zeit, dass mir a Standarten kriagn. Am 28. Juli zur Standartenweih’ ladn mir eich natürli heit schon herzlich ei. Dann kemma wieda z’amm und tuns allen kund: Lang lebe unser Patenbund.“  Text Beate Bentele, Fotos: Beate Bentele, Dieter Schindler
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