Leben wie in Italien
Folkloristico Mottarone Sovazza beim Gegenbesuch in Diessen : Freitag bis Sonntag, 26. - 28. September 2014
DIESSEN – Es war Liebe auf den ersten Blick: Sie waren das erste Mal in Diessen und am Ammersee. Drei Tage lang und bei der Abreise waren sie sich einig: "Wir kommen wieder." 60 Mitglieder von der Gruppo Folkloristico Mottarone Sovazza haben den Diessener Trachtenverein besucht und sind wie ein Wirbelwind über das Trachtenheim am Vogelherd hinweggefegt. Voller Lebensfreude, typisch italienisch, mit Musik, Gesang und Tanz. Dazu tischten sie ihren selbstangebauten Rotwein aus dem Piemont auf. Außerdem machten sie Andechs unsicher, und in den Herrschinger Seeanlagen zogen sie nicht nur die Blicke an, sondern verzauberten das Publikum mit ihrer Spontaneität.

Die Freundschaft ist gerade mal ein Jahr alt. 2013 reiste der Diessener Trachtenverein an den Lago di Orta. In eine ländliche Region Italiens, wo man sich Don Camillo und Peppone vorstellen könnte. Der Orta-See wird nordöstlich durch den 1.491 Meter hohen Berg Mottarone vom Lago Maggiore getrennt. Die Idee, in die Comune di Armeno zu fahren, kam von Laura del Fabro-Güntsch, die in dieser Region eine Zeitlang gelebt hat, und heute in Diessen-Pitzeshofen daheim ist. Sie knüpfte die Kontakte zu der Folklore-Gruppe, die den Besuch aus Diessen mit großer Gastfreundschaft quittierte.

Zum Gegenbesuch sind sie jüngst mit Reisebus und zusätzlichem "Event-Sprinter" angereist. Sie hatten nicht nur fässerweise den Wein vom Lago d' Orta im Gepäck, sondern ihr "halbes Heimatmuseum". Ihre Show, die sie übrigens auch im Herzkasperl-Zelt auf der Oidn Wiesn - durch Vermittlung von Magnus Kaindl - präsentierten, zeigte, wie sie am Fuße des Monte Rosa-Massivs leben. Den Eindruck verstärkten sie mit originalen Gewändern, Lebensmitteln und Utensilien aus ihrer Heimat. "Wir wollen ein originales italienisches Lebensgefühl weitertragen", lacht Giuliana Zolla, die Vorsitzendes des Trachtenvereins aus dem Piemont. Dazu trug auch eine Volksmusikgruppe bei, die für dramatische Musik und Auftritte stehen. Fast theatralisch marschierten sie nicht nur mit dem "Ortstaferl" am Ammersee entlang, sondern sie trugen bei jedem Auftritt Europafahne vorneweg, sowie die Fahnen von Italien und dem Piemont.

"Wir sind eine karge Region", erzählt Guiliana den Zuschauern, dies erkenne man an der eher schlichten Tracht (die Frauen tragen noch Kopftücher mit Blumenmustern) und an der einfachen Lebensart. Diese, ihre regionale Kultur wollen sie am Ammersee bekanntmachen mit ihren Volksliedern, mit ihrer Art wie sie Feste feiern zum Beispiel mit Wettsägen, Blumen verkaufen, Wein ausschenken aus originalen Holzbechern. Dazu die große Tanzlust, "sie marschieren nicht durch die Seeanlagen, sie tanzen", freuen sich zum Beispiel die Zuschauer am Herrschinger Seeufer - und viele tanzten spontan mit.

Bis vor kurzem sei die Gruppo Folkloristico Mottarone ein ganz normaler Verein gewesen, informiert Giuliana. Aber mit Unterstützung von Giuliano Minacci hätte man das Vereinsleben auch auf eine neue Ebene gestellt und präsentiere die Dörfer um den Orta See nun aufwändiger. Minacci ist nicht nur Chef der Musikgruppe von der Gruppo Folkloristico Mottarone, sondern Entertainer und Botschafter seiner Heimat. Beruflich ist der preisgewürdigte Koch auch international unterwegs. Über seine VIP Academy bringt er die "echte italienische Esskultur" in viele Länder. Entsprechend professionell greift er auch der Folklore Gruppe seiner Heimatregion unter die Arme. Rund um den Ammersee, von Andechs bis zum Herzkasperl-Zelt auf der Oidn Wiesn hatte man viel Freude damit. Text/Fotos: Beate Bentele
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