Freinderl, wann geh ma hoam?
Saitenschinder-Hoagartn in Diessen – 25 Musikanten und keiner geht heim

DIESSEN – So was wünscht sich jeder Hoagartler: Wenn d' Musi aufspielt, dann ist das Wirtshaus voll. Beim Saitenschinder-Hoagartn in Diessen platzte der Unterbräu aus allen Nähten und wer keinen Platz mehr bekommen hat, hörte vom Biergarten aus zu. Pfundig war's, sind alle einig, die dabei waren. Egal ob drinnen oder draußen: 25 Musikanten und die Freunde des bairischen Brauchtums vom Oberland über den Lechrain bis rund um Diessen, sind erst nach Mitternacht auseinandergegangen, als die Windacher Blechbläser, die Quietschfidel Danzlmusi, die Diessener Ziachmusi, die Okarina Musik, der Deutenhauser Viergsang und natürlich die Veranstalter, die Saitenschinder, ihre Instrumente eingepackt hatten.

Die Saitenschinder sind die bekannte Musikgruppe vom Heimat- und Trachtenverein d' Ammertaler Diessen – St. Georgen, die sich vor zehn Jahren zusammengeschlossen haben, um Volksmusik neu zu definieren. Mittlerweile haben sie sich vergrößert und traten im Unterbräu erstmals mit der Geigerin Michaela Hofmann aus Windach auf. "Das ergibt ein neues Klangbild", freut sich Saitenschinder-Chef Magnus Kaindl, "eine Geige erweitert den musikalischen Spielraum enorm." Allerdings spiele man erst ein halbes Jahr in dieser Formation, so dass künftig spannungsreiche Klangwelten aus Diessen zu erwarten sind. Beim Hoagartn verzauberten sie ihr Publikum mit Stücken aus der Zeit von 1800 bis 1850. Die alten Notenhandschriften entdeckte Kaindl im Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern.

Mit breitem Spannungsbogen unterhielt die Danzlmusik Quietschfidel: fetzig und lebendig, vom Schlager der 1950-er Jahre bis zu Polka, Landler, Zwiefache und natürlich Boarische reicht ihr Repertoire, das sie mit schweren, ernsten Weisen mischen. Für das "echte bairische Liedgut" steht der Deutenhauser Viergsang. Seit 1989 sind sie mit heiteren Liedern unterwegs, mit Geschichten des Alltags, die zwischendurch auch ganz schön ernst sind. Die Windacher Blechbläser, zum ersten Mal in Diessen, sind bekannt, bei Wettbewerben immer kräftig "abzusahnen". Mit ihren konzertanten Stücken und ihrer Interpretation klassischer Unter-haltungsmusik wurden sie auch als "Sahnestückchen" gefeiert und heimsten großen Applaus ein. Ein Heimspiel feierten die Musikgruppen des Diessener Trachtenvereins (Oka-rina Musik, Ziach Musik). Trotz des gemeinsamen Liedes "Freinderl, wann geh ma hoam" war noch lange nicht Schluss. Text/Fotos: Beate Bentele
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