Lumpen lassen sich nicht lumpen
Am Faschingsdienstag, 12. Februar 2013 in der Fischerei Diessen

Die Diessener Lumpen lassen sich nicht lumpen und die Narren nicht an der Nase herum führen. Vor allem nicht vom Amtsschimmel. Kurzerhand haben sie das in St. Georgen angesiedelte Faschingsdienstagstreiben an den See verlegt. Im ältesten Ortsteil der Marktgemeinde am Ammersee, in der Fischerei, feierten über 500 – oder mehr – bei dichtem Schneetreiben den letzten Tag des Faschings 2013. Headquarter des Diessener Narrentreibens war der Unterbräu, wo von morgens um 10 bis nach Mitternacht das wilde Treiben seine Blüten trieb. Mit 14 Stunden non stopp Live-Musik und mit „Festwagen“, die keinen TÜV brauchen. Das Stimmungsbarometer: Den ganzen Tag über 100 Prozent Erfolg.

Nachdem der weit im Oberland bekannte nahezu legendäre Diessener Faschingsumzug in „St. Schorschi“ der Bürokratie zum Opfer gefallen ist, weil die Narrenwagen nicht TÜV-fähig sind, bauten die Bürger von Diessen originelle Gefährte, die keine amtliche Prüfung benötigen. Sie ließen den Untermüllerplatz rund um den von der Bevölkerung beliebten Wasserfall sperren und umrundeten das Areal mit Biersänfte, Segelboot, Kinderwagen, Leiterwagen, Handkarren, mobilen Spielzeugviechern und anderen abenteuerlichen Fahrzeugen auf Rädern und Rollen.

Vorneweg die ortsteileigene Musikkapelle Krach & Fürchterlich mit Kapellmeister Hans Rieß, gefolgt vom Spielmannszug des Diessener Trachtenvereins mit Tambourmajor Dracula alias Andreas Huber - und am Straßenrand feierten Hunderte von lustigen Maschkera die Taufe einer neuen Karnevalsgaudi, zu der die Trachtler einen wichtigen Beitrag mit ihrem musikalischen und wild-maskierten Auftritt beigetragen haben.

Premiere hatte auch der neue Fährdienst „unterer Mühlbach“. Ein ausrangiertes Segelboot auf Slipwagen, das die Touristen künftig an den besten Haltestellen zusteigen lässt: Rialto-Brückerl,  Zwergenland, Klein-Las Vegas und bei Hollywood-Heidi. Eine geheimnisvolle „Macht“ entstieg dem Wasserfall. Schweigend hielt er mit seinem Dreizack Wache am Wasserfall, „denn der muss bleiben.“ Sagte Neptun, der Gott des Meeres. Habe man vor 30 Jahren prozessiert, um das Gefälle zu verhindern, müsse man jetzt wohl wieder vor Gericht ziehen, um es als Wahrzeichen der Fischerei zu erhalten. So ändern sich die Zeiten. Text/Fotos: Beate Bentele
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