Diessener Advent und Riederauer Adventssingen
Große Kirchenmusik zwischen Barock und Volksmusik am Sonntag, 6. Dezember – Samstag, 12. Dezember in Riederau

DIESSEN – Das Marienmünster zu Diessen wendet sich in festlicher Erwartung seinem Publikum zu: Am prächtigen Adventskranz über dem Altarraum leuchtet die zweite Kerze. Im Theatrum sacrum – der barocken bildlichen Darstellung der christlichen Heilsgeschichte im Hochaltar - schaut der Verkündigungsengel zu Maria, sie wiederum erhebt den Blick zu dem schwebenden Engel, einem Kunstwerk des Münchner Bildhauers Johann Baptist Straub (1704-1784). Das Kirchenschiff samt den Nischen zwischen den Seitenaltären ist dicht besetzt. Die Kasse bekommt Order "Wir sind ausgebucht. Bitte, die Eingänge schließen." Der Diessener Advent, das alljährliche Konzert zum Advent unterm "Diessener Himmel" – den barocken Deckenfresken des Augsburger Akademiedirektors Johann Georg Bergmiller (1688-1762) – schickt sich an, die Erfolgssträhne der vergangenen Jahre fortzusetzen.

Feine Klangwelten entfalten sich in der Rokokopracht des Münsters, verbünden sich mit der Heiterkeit der sakralen Dekore, die den alten Baumeistern ein wahres Anliegen war. Während das warme Abendlicht die barocke Engelwelt optisch in Bewegung bringt, ihr güldenes Gewand noch einmal aufleuchtet, um sich dann in der Abenddämmerung langsam zurückzunehmen, erfüllt die Klangfülle eines Tafelstücks aus dem 18. Jahrhundert den "Chorsaal Gottes". Es ist das Hochberghauser Klarinettenquartett – unter anderem mit Conny Schulz – das mit seinem höfischen Auftakt den Diessener Advent eröffnet.

Magnus Kaindl von d‘ Saitenschinder, der sich über Jahre bemühte, volksmusikalische Interpretationen in die Kirchenmusik des Advents zu bringen, hat es auch heuer wieder geschafft, gemeinsam mit den Freunden der Diessener Münsterkonzerte den Advent, als eine Zeit der Erwartung und der Ankunft musikalisch mit Inhalten zu füllen. "Nicht rein alpenländisch", sagt Kaindl, "wenngleich sich der Diessener Advent auszeichnet, weil er der Volksmusik im Pfaffenwinkel eine Plattform in der Vorweihnachtszeit gibt." Allerdings sei in diesem Jahr die feine Mischung das Thema, "und wir haben dem Marienmünster wertschätzend auch barocke und ältere Musik ins Programm aufgenommen." So wird tradiertes Volksgut auch neu bearbeitet. Als Beispiel nennt er "Es wird ein Stern aufgehen" sowie "Wunder über Wunder". Es handelt sich ursprünglich um zwei Gesangsstücke, die er instrumental zusammengefasst hat.

Kaindl weist auch auf die Instrumentendichte hin, die dem Konzert reiche Klangwirkung entlockt. Dabei muss der Boarische Harfendreiklang gewürdigt werden, der mit der "Hochberger Harfenweis" und dem "Festmarsch" für kraftvolle Energie sorgt. Zwischen den Instrumentalstücken brilliert der Münsterchor unter der Leitung von Stephan Ronkov mit fein formulierter Gesangskunst. Zu Gehör kommen der "Englische Gruß", "Hosianna, dem Sohne Davids" und "Der Morgenstern ist aufgegangen".

Mit offenen Händen und offenem Herzen
Pfarrer Josef Kirchensteiner – er begleitet heuer das erste Mal den Diessener Advent – formuliert meditative Gedanken zwischen Gesang und Musik. Den Advent, als Zeit des Wartens, apostrophiert er als wichtig: "Wer warten kann, erlebt oftmals die überraschung, dass man mehr oder schöneres geschenkt bekommt, als man je erhofft." Zum Warten gehöre aber auch die Fähigkeit, sich beschenken zu lassen mit offenem Händen und offenem Herzen. "Die Welt braucht dieses Hoffnungszeichen des glaubenden Wartens."

Erstes Riederauer Adventsingen
Auch beim Ersten Riederauer Adventsingen waren d' Saitenschinder federführend. In der voll besetzten Riederauer St. Petrus Canisius-Kirche bezauberten sie mit ihren festlichen Arrangements, mit dabei der Pasinger Dreigesang, das Uttinger Harfenduo, an der Orgel Dr. Berndt Jäger, die Sprecher Gerwin Degmair und Bernhard Fröhlich brachten Gedichte und Texte zur aktuellen gesellschaftlichen Situation zu Gehör. Es handelte sich um ein Benefizkonzert zugunsten von Kindern und Jugendlichen, die Defizite und Nachteile in der Bildung haben. Aktuell werden mit den Spenden unbegleitete Flüchtlingskinder gefördert. Text | Fotos: Beate Bentele

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