Überraschungsausflug mehr als nur eine Überraschung
Sonntag, 13. September 2015: Augsburg lockt

DIESSEN – "Wo fahren wir hin?" Immer wieder ist die Frage laut geworden beim Diessener Trachtenverein. Aber Vorsitzender Andreas Huber ist keine Silbe über die Lippen gekommen: Zu einem Überraschungsausflug hat er eingeladen, als Dankeschön für die Mitarbeit beim Töpfermarkt-Café, "ein Engagement, das die Vereinsmitglieder immer wieder bis an die Grenzen herausfordert."

Gekommen sind alle, der Steinherr-Reisebus war bis auf den letzten Platz besetzt. "Vielleicht gibt es ein Picknick", vermuteten die Trachtenkinder, als sie den Leiterwagen sahen, der vollbepackt mit Getränken, Brot und Wurst war. Neugierig hatte einer unter die Stoffplane gelugt und schon mal ein Geheimnis gelüftet. Aber sie löcherten ihren Vorsitzenden weiter, er verriet lediglich, dass der Ausflug ins Schwabenland ginge. Kurz vor Augsburg Jubel bei Groß und Klein: "Wir fahren in den Tierpark!" Vier Stunden zwischen exotischen Tieren, fremdländischen Pflanzen, Attraktionen und Sensationen. Natürlich waren die Wildtiere und die Urwaldriesen der Hit, aber auch Winzlinge, wie die possierlichen Erdmännchen zogen die Trachtenjugend an.

Bergziegen durften gestreichelt und gefüttert werden, viele wagten sich auch in das Katta-Haus mit den Lemuren aus Madagaskar. Die kleinen Affen laufen frei, "aber nicht streicheln, die können ganz schön beißen", warnte die Tierpflegerin am Eingang. Die Informationstafeln navigierten die Trachtler durch alle Kontinente und führten schließlich zum Spielplatz – wo es dann tatsächlich ein Picknick gab.

Der Augsburger Zoo hat alle begeistert. Immerhin gehört er zu den 20 größten Tierparks in Deutschland, er wurde 1937 als Park der deutschen Tierwelt eröffnet und umfasst heute 22 Hektar. Hier leben 1.200 Tiere aus 240 Tierarten aus aller Welt. Er unterstützt derzeit 18 Europäische Erhaltungs-Zuchtprogramme (EEP).

Nicht genug mit den Überraschungen: Andreas Huber kündigte noch einen Nachmittagskaffee mit Museumsbesuch an und ein Abendessen. Damit hat niemand gerechnet und die Spannung steigerte sich, als der Bus mitten in die Schwabenmetropole fuhr: Das Fugger- und Welser-Erlebnismuseum (Äußeres Pfaffengässchen 23) ist gerade mal ein Jahr jung und ein Beispiel für großartige Museumsdidaktik, die wiederum Jung und Alt fasziniert. Im *Wiesel-Haus, einen denkmalgeschützten Augsburger Renaissance-Gebäude erlebt der Besucher die "Goldene Zeit Augsburgs". Die Zeit, in der Kaufleute und Bankiers wie die Fugger und Welser mit Kaiser und Papst verhandelten. Die Zeit, in der die reichen Augsburger Bergbau betrieben, Waren nach Indien und Amerika schickten und die große Politik beeinflussten. Der kleine Konrad, ein Museumsmaskottchen, führt vor allem die Kinder durch die Historie. Sie können mit einem kleinen Säckchen alle Stationen im Museum aktivieren, Töne, Musik und Sprache auslösen und die Bilder zum Laufen bringen. Ausführliche Texttafeln, Archivalien und Objekte eröffnen den Erwachsenen den Zugang zum Handelsnetz der berühmten Augsburger Geschlechter. Hinterher gibt's Kaffeespezialitäten, parfümiert mit den Geheimnissen des Orients, serviert zwischen Beispielen früherer Augsburger Gartenkultur. (www.Fugger-und-Welser-Museum.de). Aber der Tag war noch nicht zu Ende: Als der Bus auf dem Heimweg die Landsberg-Diessen-Route verließ und Richtung Geltendorf fuhr, gab's nochmal Jubel und Applaus: "Wir fahren in die Ritterschwemme zu Kaltenberg!" Danke für einen wunderbaren Sonntag! Text | Fotos: Beate Bentele

*Das Wiesel-Haus ist benannt nach dem Fernrohrbauer Johann Wiesel (1583-1662), der hier von 1637 bis 1642 lebte. Er war der erste gewerbliche Fernrohrbauer im deutschen Raum.
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